NORTHERN LITE – „Unisex“ / VÖ: 01.09.2006

Marcel
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Atemlosigkeit, die alles neu und klar macht. Das Album UNISEX von Northern Lite.

“I ain’t got much to say.” Keineswegs, die Herren. Aus der Verantwortung stiehlt man sich nicht. Auch, wenn’s beim Rock’n’Roll eigentlich nicht um Worte geht. Oder zumindest nicht nur. Es spricht: Achtung! die Musik. Und erklärt alles, was wichtig ist und immer war. Das Leben, die Liebe, Bars, Sex all das – mit Pathos, Melancholie und Kraft.

Die Musik auf dem neuen Album von Northern Lite ist eine Fernwirkung wie Globalisierung oder Sehnsucht. In Shibuya und auf Ibiza macht sie Heimweh und von Zuhause will man nach den ersten Takten von UNISEX sofort wieder weg. Dahin wo es laut ist, wo die Mädchen sind und getanzt wird.

Ganz kurz die Fakten: Northern Lite entsteht in den späten Neunzigern wie jede gute Band in der Provinz. Birmingham, Manchester oder Glasgow – in Deutschland heißt das Erfurt. Andreas Kubat und Sebastian Boon schmeißen unterschiedliche musikalische Prägungen zusammen: Rock, Hip Hop, viel Elektrisches. Später addieren sie live gespielte Gitarren (Sascha Littek). Das Label 1st Decade Records wird gegründet – Basis. Suchen und Finden zwischen den Verlockungen der großen Labels und der Nähe zu den Fans. Die werden immer mehr und fordern immer energischer. Das Album „Reach the Sun“ von 2004 gibt Northern Lite endgültig eine unverwechselbare musikalische Kontur: Um fassbar zu machen, was bei allen guten Dingen eigentlich gar nicht geht, erfinden die Jungs den Begriff Neopop, werden als Techno-Alternative-Independent-Rock’n’Wave und und und beschrieben.

Was wirklich spricht ist die Musik. „Go with the flow“ –Neuauflage eines Klassikers der Queens of the Stone Age haut die Audience um. Später das Album „Temper“. BBC Radio1 und dort, ja tatsächlich der legendäre John Peel, keep it Peel, spielt die Jungs – in Serie. Dann: Spanien, Frankreich, Japan, Brasilien und klar, Love Parade, Sonne Mond Sterne, Nature One. „Vorher waren wir etwas nervös“, sagt Kubat leise ins Mikrofon im überfüllten SMS-Zelt. Und dann noch leiser „Das ist jetzt VORBEI!“ – Rumms – Gitarre. Es tanzen: Beatniks, Technos, Drumm&Bass-Kids, Grimer, alle.

Der neue Longplayer „UNISEX“, der am 01.09.2006 bei UNIVERSAL erscheint, geht weiter, weiter. „I don’t remember. I don’t wanna know.” Wir wollen auch nicht wissen, nur hören. Kubat ist noch rockiger, rotziger. Zusammen mit dem klugen Soundbett Bohns und Litteks Riffs hört sich das unglaublich jung und zornig an. Und es gibt da diese Nummern, die man einfach immer wieder hören muss. Die Geschichte vom außerirdischen Mädchen („Alien Girl“), die Sache mit der Zukunft, die gar nicht so schwer auszumachen ist („Future aint hard to see on my LSD“). Songs, die überall funktionieren. Und die immer richtig sind.

Von Anfang an gab es bei Northern Lite eine klare ästhetische Linie dazu. Alben, Singles, Konzerte – standen und stehen in einem multimedialen Kontext. Visuell und inhaltlich. Neue deutsche Malerei, die Verlassenheit von Autobahnen in Bewegung, charmant montierte Filmklassiker mit Bergen und, na sicher, Schnee. Geliefert wird ein umfassender Kosmos, der die Bühnenshows ebenso rauschhaft macht wie die Musik. Selbstbedienung im Fundus des Vergangenen – bei Northern Lite steckt das in der Musik und in allem anderen (Artworks 18.Oktober.com). Für „UNISEX“ gilt einmal mehr, das feste Genres nur einen kleinen Teil dessen erhellen, was das Publikum an seiner Band schätzt: Jeder holt sich das, was ihm nahe ist. Und das großartige ist, dass es passt. Und das es so echt und modern ist, wie die Zeit in der es entsteht.

Der Provinz im Kopf sind Northern Lite wohl schon abhanden gekommen. Aber musikalische Reife ist nun mal keine Frage des Standorts. Und eine Band, die nach ein paar Alben immer noch da ist, eine Platte wie „UNISEX“ macht und spielt, wird bleiben. Wer Northern Lite hört, kann heute schon sehen, wie die Zukunft wird. Gut, schön, Gott sei Dank. Let it rock!

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