11.06.2009 – Illuminate (Mailer)

Marcel
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POPoNAUT - Mikrofon/gelb

 Interview Illuminate 11.06.2009 (mailer)

 

Michael: Am 29.Mai erschien euer 10tes Studio Album namens „Splitter“ in den Plattenläden.

Erzählt uns doch bitte etwas zu diesem Album.

Hmmm…was magst Du denn hören? Die „Splitter“ ist eine Art Retrospektive über die letzten 16 Jahre Bandgeschichte. Wir haben sowohl den aller ersten Song aus unserer Feder überhaupt („Ahasverus“ aus dem Jahre 1993), als auch brandneue Stücke aus dem aktuellen Jahr mit auf dieser Scheibe. Es gibt zwar gerade keinen runden Geburtstag bei uns zu feiern, aber wir dachten einfach, dass diese Zusammenstellung ein kleines und feines Geschenk an die Fans darstellen könnte.

 

Michael: Unter welchen Kriterien habt ihr die auf dem Album enthaltenen Stücke ausgewählt?

Wir wollten bei dieser „Zeitreise“ eine deutliche Chronologie aufzeigen. Das bereits erwähnte Stück „Ahasverus“ steht hierbei am Anfang, gefolgt von weiteren Stücken aus den Anfangstagen der Band. Dann haben wir alte und rare Samplerbeiträge mit auf die „Splitter“ gepackt, sowie auch Titel aus früheren Jahren, die bislang ein Dasein in der Schublade fristen mussten und bisher noch auf keiner CD zu hören waren. Schlussendlich haben wir dann noch drei ganz neue Lieder für die „Splitter“ geschrieben, um zu zeigen, dass die Reise nicht im Jahre 2009 zu Ende ist, sondern munter weitergeht!

 

Michael: Auf Splitter sind auch eure englischsprachigen Songs vertreten beabsichtigt ihr in der Zukunft wieder Lieder auch in anderen Sprachen aufzunehmen?

Nun ja, es handelt sich hierbei ja nur um einen einzigen Titel, und zwar um „Love never dies!“. Ich habe sehr lange überlegt, ob wir diesen Song überhaupt mit auf die „Splitter“ nehmen sollen, da wir uns eindeutig für die deutsche Sprache bei Illuminate entschieden haben. Da „Love never dies!“ aber ein sehr beliebter Titel von uns ist und früher wirklich ein kleiner Hit in unserem Programm war, haben wir uns schlussendlich doch dafür entschieden, die Urversion dieses Liedes mit auf die Compilation zu packen. Man kann und darf auch mal über seinen eigenen Schatten springen! J

 

Michael: Habt ihr schon erste Resonanzen erfahren und wie waren diese bisher?

Das Album ist ja noch keine zwei Wochen auf dem Markt (Veröffentlichung war am 29.05. – und heute schreiben wir den 11.06.!), so dass ich noch keine großen Angaben hierüber machen kann. Die ersten Rezensionen in den einschlägigen Magazinen, sowie die Reaktionen der Fans waren jedoch durch die Bank weg positiv. Mal sehen, ob dieser Trend anhält…!

 

Michael: Erzählt uns doch bitte etwas über die Entstehung eurer Texte, wo findet ihr die Inspiration dafür?

Illuminate war und ist eine Art Tagebuch für mich. Andere Künstler malen ein Bild, schreiben einen Roman oder erschaffen eine Skulptur. Ich verarbeite mein Seelenleben eben in Form von Musik und Texten. Wichtig hierbei ist seit jeher, dass es immer ganz persönliche und authentische Themen sein müssen, die bei uns zur Sprache kommen. Ich halte nichts davon, sich über Vampire, Werwölfe, den Teufel oder irgendwelche Splatter-Themen auszulassen. Das wäre mir zu unpersönlich, oberflächlich und albern!

 

Michael: Ihr seid ja nun seit dem Jahr 1992 in der schwarzen Musikszene tätig wie empfindet ihr die Wandlung der schwarzen Szene in den letzten Jahren?

Nun gut…die „Tätigkeit“ beschränkt sich bei uns ja weitestgehend auf den Verkauf unserer Musik in dieser Szene. Ich selbst würde mich seit vielen Jahren nicht mehr als aktives Mitglied irgendeiner Musikszene oder Jugendkultur bezeichnen. Ich bin Mitte Dreißig, Familienvater und seit weit über einem Jahrzehnt Unternehmer. In meinem Leben spielen also andere Dinge eine entscheidende Rolle, als die Wandlung der schwarzen Szene! Um das wirklich beurteilen zu können, halte ich mich auch viel zu selten in einschlägigen Etablissements auf.
Prinzipiell ist jedoch zu sagen, dass sich der Musikgeschmack und der Lebensstil in meinen Augen sehr weit von der ursprünglichen Grundidee der schwarzen Szene wegentwickelt hat. Die neue Generation an jungen „Schwarzen“ hat ihren Lifestyle der Neunziger und den ersten Jahren des neuen Jahrtausends – bestehend aus Technomusik, Manga-Comics, Fantasy- und Mittelalter-Romantik und dergleichen – mit in die Szene gebracht. Einerseits ist das ein ganz normaler Prozess der Entwicklung und Veränderung; andererseits kann ich aber persönlich diesem Wandel überhaupt gar nichts mehr abgewinnen!!!

 

Michael: Gibt es ein Album eurer Schaffensphase welches ihr als euren persönlichen Favoriten bezeichnen würdet? Wenn ja was macht es für euch so besonders?

Ja, das gibt es schon. Ich kann hier halt nur für mich ganz persönlich sprechen, aber wenn Du mich fragst: Das „Erwachen“ Album. Hier stecken einfach die meisten und stärksten Emotionen drin. Das liegt nicht zuletzt an der Zeit, in welcher dieses Album entstanden ist, da ich hier ein äußerst bewegtes (Seelen)Leben geführt habe. Das hört man dem Album irgendwie an, und daher ist es auch heute noch für mich eine ganz starke Erinnerung an die damalige Zeit…!

 

Michael: Der momentane Zustand der Musikindustrie ist ja recht angeschlagen. Plattenfirmen wie GUN oder Dependent sind leider schon nicht mehr vertreten. Wie seht ihr die aktuelle Situation auf dem Markt?

Hier sprichst Du ein Thema an, das alleine schon genug Stoff hergeben würde, ein mehrseitiges Interview mit mir zu führen! J
Ich bin ein ganz großer Verfechter der „Bitte nicht mehr brennen!“ Koalition, werde aber so langsam auch ein bisschen müde, immer die selben Dinge zu predigen. Seit etlichen Jahren sage ich in Interviews immer wieder das gleiche: Bitte, bitte, bitte kauft Euch das Original! Gerade die kleineren Bands, Labels und Vertriebe werden auf Dauer keine Chance haben, die finanziellen Ausfälle, welche das Brennen, Rippen und Herunterladen aus dem Netz verursachen, zu kompensieren. Auf dem WGT habe ich vor 14 Tagen gerade wieder eine Band ihr Abschiedskonzert spielen sehen und hören, mit welcher wir vor über 15 Jahren begonnen haben, Musik zu machen. Die Herren können und wollen zukünftig keine CDs mehr produzieren, da es finanziell einfach nicht mehr zu stemmen ist. Und das ist echt sehr, sehr schade, da immer mehr kleine, individuelle und interessante Acts so von der Bildfläche verschwinden.
Meine Prognose ist, dass es in absehbarer Zukunft – falls sich nichts Gravierendes ändert! – nur noch Sachen wie „DSDS“, „Popstars“ und ähnliche Eintagsfliegen eine Chance haben werden. Schnell produziert, über die Massenmedien dem dümmlichen Publikum vorgesetzt, ins Netz zum Download gestellt und drei Tage später mit einem Arschtritt abserviert. So wird das laufen…!

 

Michael: Mittlerweile gibt es einige Bands die ihre Alben nur noch im MP3 Format verkaufen, seht ihr das ganze als eine Art Option die eventuell auch für euch in Frage kommen würde?

Nein, denn zu einem Album gehört für mich immer noch ein bisschen mehr, als nur die „nackte“ Musik. Ich möchte auch die Texte abdrucken, ein paar stimmige Fotos zu den Liedern präsentieren und das Artwork auf das Thema abstimmen. Wenn das nicht mehr erwünscht sein wird, werde ich mich aus dem Musikbereich zurückziehen und versuchen, meine Gedanken anderweitig künstlerisch zu verarbeiten. Vielleicht im stillen Kämmerlein, ganz ohne Publikum…wer weiß?!?

 

Michael: Gibt es eigentlich schon Tourpläne zum aktuellen Album?

Nein. Wir spielen in diesem Jahr noch im Mexiko, sowie unser traditionelles Weihnachtskonzert in Leipzig. Wir haben zur „Zeit der Wölfe“ ein paar Konzerte gegeben. Da die „Splitter“ ja kein reguläres Album im Sinne des Wortes ist, wird es hierzu auch keine Tournee geben. Nächstes Jahr zum nächsten „richtigen“ Album dann wieder!

 

Michael: Ihr habt auf großen Festivals sowie in kleinen Clubs gespielt, was ist euch persönlich lieber?

Hach…das kann man so pauschal gar nicht beantworten, da beides sehr reizvoll ist! Einerseits ist es natürlich schon geil, wenn man auf einem Festival wie dem „M’era Luna“ vor vielleicht 10.000 bis 15.000 Leuten spielt. Andererseits sind das ja keineswegs alles Fans oder Freunde unserer Musik. Dem gegenüber stehen dann die kleineren Clubs, wo vielleicht nur 200 zahlende Gäste am Abend anwesend sind – diese kommen aber explizit nur wegen Illuminate und feiern das Konzert dann auch dementsprechend ab. Das ist auch wunderschön!
Hinzu kommt, dass wir seit jeher eine Band sind, die eine große Nähe zu ihren Fans sucht und pflegt. Das geht auf großen Veranstaltungen leider sehr viel schlechter, als dies bei kleineren Konzerten der Fall ist. Beides hat also irgendwie seinen Charme!

 

Michael: Gibt es Künstler mit denen ihr gerne einmal zusammen ein Album aufnehmen würdet?

Das ist eine echt gute Frage, die ich so pauschal gar nicht beantworten kann!
Innerhalb der Szene gibt es diese Künstler jedenfalls nicht. Man müsste diese also schon woanders suchen. Es gibt sicherlich Musiker und Künstler, die mich sehr beeindrucken oder inspirieren – mit diesen einmal ein Album aufzunehmen, wäre also schon eine irre Sache. Ob das dann aber auch so gut zu unserem Stil passen würde…das ist die andere Frage! Also bleiben wir lieber bei unserer Leisten! J

 

Michael: Was dürfen wir in der Zukunft von Illuminate erwarten und ist schon wieder ein neues Album in Planung?

Neben den bereits angekündigten Konzerten steht bei uns aktuell nichts auf dem Plan. Das neue Album „Splitter“ ist ja auch noch ganz „frisch“! Jetzt gilt es also, die Gedanken für ein kommendes Album zu sammeln und sich erste Ideen für ein solches anzueignen. Das wird aber die Zeit zeigen, wie kreativ wir hier die nächsten Monate wirklich sind…!

Michael: Gibt es eine Frage die euch noch nie gestellt wurde, welche ihr euch aber immer mal wünschen würdet?

Das ist eine harte Nuss, da wir ja bereits seit 16 Jahren existieren und schon 12 Alben in dieser Zeit veröffentlicht haben. Zu jedem Album haben wir im Schnitt 50 bis 100 Interviews. Multipliziere diese mit jeweils ungefähr 10 Fragen pro Interview und Du kommst auf eine Summe von sage und schreibe 10.000 bis 12.000 Fragen in den letzten Jahren. Ich kann unmöglich sagen, ob da schon die „perfekte“ Frage mit dabei war. Jedenfalls habe ich mehr als genug von mir, der Band und meinem Seelenleben preisgegeben!!! J

 

Michael: Wenn ihr ein Tier währt welches wäre das?

Ich finde bereits das Leben als Mensch schon ziemlich erfüllend, anspruchsvoll und kompliziert! Da wollte ich eigentlich lieber kein Tier sein!
Wenn ich die Frage aber unbedingt beantworten müsste: Entweder ein Meeresbewohner oder ein Tier mit Flügeln. Also vielleicht Wal oder Eule…!

 

Michael: Gibt es noch etwas was ihr unbedingt einmal los werden wollt?

Hört nicht zu sehr auf die „Geschmackspolizei“ innerhalb der Szene! Seit jeher lebt diese Gemeinschaft von ihrer Individualität und Vielfältigkeit! Fangt nicht jetzt damit an, zu enge Grenzen zu setzen und Dinge zu tabuisieren, nur weil sie vielleicht nicht Eurem persönlichen Geschmack entsprechen oder von der Mehrheit nicht als „hip“ betrachtet werden!!!

 

Michael: Dann bedanke ich mich hiermit für dieses Interview und wünsche euch in eurer Zukunft viel Erfolg.

Die Freude war ganz meinerseits! Vielen Dank für die netten Fragen und Eure Zeit, meine Antworten zu lesen!
Bleibt, wie Ihr seid – man sieht sich!!!
                                                                                              Johannes Berthold

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