Am 8. und 9. August 2026 verwandelte sich der Flugplatz Drispenstedt in Hildesheim erneut in eine eigene kleine Welt für die Gothic-Szene und alle Musikfans. An diesem Wochenende sorgte nicht nur die strahlende Sonne für Hitze. Vor allem die Besucher selbst erweckten das Gelände mit ihrer Leidenschaft für die Musik und ihren außergewöhnlichen Outfits zum Leben. Das bereits im Vorfeld ausverkaufte Festival bot noch mehr als abwechslungsreiche Musik aus Metal, Aggrotech und Synth-Rock. Der Mittelaltermarkt, die traditionelle Fashion Show, Lesungen und zahlreiche Shops gehörten wie jedes Jahr ebenfalls dazu. Neben den zahlreichen weiteren Acts sorgten einige Bands an diesem Wochenende für besondere Momente, die im Gedächtnis blieben.
Der Freitag: Ankommen und Einstimmen
Schon am Freitagnachmittag konnten die Gäste des M’era Luna ihre Zelte auf dem Campinggelände aufschlagen. Die Besucher kamen nicht nur aus ganz Deutschland angereist, sondern auch aus Ländern wie England und Polen. Auch der Mittelaltermarkt auf dem Festgelände war bereits geöffnet. Mit seinen liebevoll hergerichteten Ständen, abwechslungsreichen Köstlichkeiten und den gemütlichen Picknick- und Feuerstellen bot er einen schönen Start in das Festivalwochenende. Eine weitere Möglichkeit, den Freitagabend zu verbringen, waren die traditionellen Lesungen: Die Autoren Markus Heitz und Christian von Aster sowie die Autorin Jessica Iser zogen das Publikum mit ihren düster-phantastischen Geschichten in den Bann. Wer nicht bis zum nächsten Morgen mit dem Feiern warten wollte, konnte die Nacht in der Disco im Hangar zum Beben bringen oder bei einer der vielen kleinen Partys auf dem Zeltplatz die besondere Gemeinschaft des Festivals zelebrieren.
Der Samstag: Von Xandria bis Within Temptation
Der Samstagvormittag begann bei strahlendem Sonnenschein und einer bestens gelaunten Menge. Bei Xandria brachte Frontfrau Ambre Vourvahis das Publikum mit ihrer Stimmgewalt und Bühnenpräsenz zum Tanzen. Auf der Club Stage brachten Auger mit ihren treibenden Beats die Wände zum Beben. Am Nachmittag sorgte Hocico mit ihrer mitreißenden Show dafür, dass die Zuschauer mitsangen. Sie bewiesen durch ihre Crowd Work, wie man einer Menge einheizt. Am Abend wurde es dann feurig. In Extremo zogen als Co-Headliner die Massen vor die Bühne. Sie begeisterten mit ihrer Mischung aus markanten mittelalterlichen Elementen und ihrem massiven Metal-Fundament. Die Band unterstrich ihre Show mit Pyrotechnik. Den Abschluss bildeten Within Temptation. Ihr Auftritt wurde dem Anspruch eines Headliners mehr als gerecht. Trotz des langen, heißen Tages mobilisierten sie auch die letzten Reserven der Zuschauer. Selbst in den hintersten Reihen des vollbesetzten Platzes wurde mitgesungen. Auf dem gesamten Platz wurde getanzt und gefeiert.
Der Sonntag: Von True Crime bis zu einem feurigen Ende
Am Sonntag stiegen die Außentemperaturen weiter an. Über Nacht wurde die Main Stage um eine Vorbühne erweitert, die den Bands am Sonntag zusätzliche Möglichkeiten für ihre Auftritte bot. Dank hochkarätiger Acts blieb auch die Stimmung des Publikums auf einem hohen Niveau. SKYND überzeugten dabei völlig ohne aufwendige Bühnenshow. Sängerin Skynd vermittelte ihre Botschaft allein mit ihrer Stimme sowie ihrer ausdrucksstarken Mimik und Gestik. Damit zog sie das Publikum in ihren Bann. Einen emotionalen Kontrast dazu boten L’Âme Immortelle mit einer Mischung aus aktuellen Songs und Klassikern der 2000er Jahre. Damit ließen sie so manchen treuen Fan in Erinnerungen schwelgen. Währenddessen verwandelten Aesthetic Perfection die Club Stage mit harten Aggrotech-Beats in eine ausgelassene Tanzfläche. Die Interaktion mit den Fans war hier das große Highlight: Passend zum Song „Summer Goth“ flogen Beachbälle durch die Menge. Gegen Abend sorgten IAMX als Co-Headliner noch einmal für ordentlich Stimmung unter den Besuchern. Saltatio Mortis schlossen als Headliner das M’era Luna 2026 ab. Neben Pyrotechnik und Feuerfontänen bewiesen sie ihre Fannähe. Auch die neu errichtete Vorbühne wurde in ihre Show einbezogen. Frontmann Alea ließ es sich nicht nehmen, während des Songs „My Mother Told Me“ in einem Boot über die Hände des Publikums zu „segeln“. Dies war ein unvergesslicher Moment, der das Wochenende perfekt abrundete.
Mehr als Musik: Essen, Händler und ein buntes Publikum
Insgesamt präsentierte sich das M’era Luna 2026 als gut organisiertes Event. Die Veranstalter setzten nicht nur musikalisch auf Vielfalt, sondern auch bei ihrem Rahmenprogramm auf ein abwechslungsreiches Angebot. Die zahlreichen Shops boten ein breites Spektrum an Waren, bei dem für jedes Budget etwas dabei war. Das kulinarische Angebot reichte von deftigem Spanferkel über orientalische Falafel mit Reis bis hin zur veganen Currywurst. Positiv fiel die Reaktion der Veranstalter auf die extremen Temperaturen auf. In diesem Jahr wurden deutlich mehr Schattenplätze durch Netze geschaffen. Zudem wurden zusätzliche kostenlose Trinkwasserstellen installiert, an denen sich die Besucher jederzeit erfrischen konnten. Neben den klassischen Goth-Outfits prägten Familien, Cosplayer, Mittelalter-Fans und Furrys das friedliche Bild. Dank der konsequent umgesetzten Barrierefreiheit gab es zudem an beiden Bühnen extra erhöhte Bereiche für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderung, die eine uneingeschränkte Sicht auf das Geschehen ermöglichten.
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Redakteurin: Svenja Göttfert