Amphi Festival

Marcel
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POPoNAUT - Mikrofon/gelb

Amphi-Festival 2007

Mit einem spitzenmäßigen Line-Up lockte das diesjährige Amphi-Festival Fans der düsteren Musik aus ganz Deutschland an den Kölner Tanzbrunnen. Die Drum-Herum-Organisation ließ zwar teilweise etwas zu wünschen übrig; so war beispielsweise der Zeltplatz nicht wie im Internet angegeben 30 Minuten Fußweg vom Festivalgelände entfernt, sondern ganze eineinhalb Stunden; der kostenlose Shuttlebus war mit der anstürmenden Menge hoffnungslos überfordert…aber das Festival lief in familiärer Atmosphäre und so geordneten und friedlichen Bahnen ab, dass selbst der Veranstalter mehr als positiv überrascht war.
Am Samstag gegen Mittag fanden sich die ersten Besucher auf dem Festivalgelände ein. Zu sehen gab es auch jetzt schon reichlich. Wie üblich hatten sich etliche Fans dem Anlass entsprechend schwer in Schale geworfen, und es machte einfach Spaß, die schwarz-bunte Menge zu betrachten. Selbstverständlich gab es auch ein großes Angebot an Ständen, wo man sich neu einkleiden oder mit Musik versehen konnte. Und auch für das leibliche Wohl war gut gesorgt. Zwar war es untersagt, Essen und Getränke mit auf’s Gelände zu bringen, doch die Besucher konnten vor Ort zwischen diversen Speisen wie Pizza, Döner, Pasta, vegetarischen Gerichten und Hamburgern wählen. Zwischen ihren Auftritten standen die meisten Bands ihren Fans für Autogrammstunden und Fragen zur Verfügung. Zum Entspannen zwischendurch lud eine große Liegewiese abseits des Getümmels ein, wo man aber immer noch genug von der Mainstage mitbekam, um schnell dort zu sein, wenn es interessant wurde. Und das war bei dem phänomenalen Line-Up häufig der Fall.

Um 13 Uhr eröffneten Obscenity Trial auf der Mainstage das Festival. Zwar waren noch nicht allzu viele Besucher vor Ort, doch die Anwesenden konnten sich schnell davon überzeugen, dass die Formation absolutes Live-Potential hat. Die Jungs rockten richtig ab und konnten das Publikum rasch für sich gewinnen und zum Mitmachen bewegen. Nach 30 Minuten verließ die Band schließlich unter wohlverdientem Applaus die Bühne und die inzwischen doch recht aufgeheizte Menge zerstreute sich während des Umbaus an die diversen Stände.
Da der Sänger von Bloodpit seine Stimme verloren hatte, mussten diese ihren Auftritt leider kurzfristig absagen, und so standen als nächster Act Diorama auf der Bühne. Die Reihen waren zunächst nur spärlich gefüllt, doch der charismatische und stimmgewaltige Sänger der Gruppe, Torben Wendt, brauchte nicht lange, um mehr und mehr Leute anzulocken. Mit gefühlsgeladenen Balladen rissen Diorama ihre Fans mit und Torbens Stimme sowie auch seine ausdrucksstarke Mimik und Gestik, als er auf der Bühne richtig mitging, ließ die vermittelten Emotionen auch auf die Zuhörer überspringen. Viel zu schnell jedoch war dieses Feuerwerk der Gefühle vorbei, und die 4 Jungs machten Platz für Imatem. Auch dieses Solo-Elektroprojekt konnte seine Fans mit der musikalischen Darbietung überzeugen und überraschte durch die Zusammenarbeit mit diversen Gästen, unter anderem dem Graf von Unheilig.
Nach Imatem enterte Kapitän Alexx mit seinem Eisbrecher die Bühne und brachte die Menge mit harten Elektrosongs zum Tanzen. Weiter ging die Party mit Funker Vogt, wo sich die tanzwütige Masse ordentlich austoben konnte. Schließlich wurde es bei Unheilig etwas ruhiger, wenn auch nicht minder begeistert. Bereits nach zwei Songs hatte der Graf seine Anhänger völlig in der Hand, hatten diese doch via Netvoting die Setlist bestimmen dürfen. Bei den Balladen flammten trotz strahlendem Sonnenschein die ersten Feuerzeuge auf und der Schrei nach Freiheit übertrug sich wie ein Lauffeuer bis in die hintersten Reihen. Bei ASP allerdings schien die Menge bereits etwas ermüdet zu sein, und auch Sänger Alexander Spreng wirkte etwas abgekämpft. Zwar gab die Band sich redliche Mühe, ihr Publikum mitzureißen, doch nach der Präsentation einiger Songs des neuen Albums, die wohl zu ruhig und schwer für ein Festival sind, war die Stimmung gekippt und selbst beim Hit „Ich will brennen“ wollte der Funke nicht ganz überspringen.

Die Fans von harter Elektro- und Industrialmusik hingegen konnten unterdessen in der Theaterstage der Sonne entfliehen und in der düsteren Halle bei Stroboskopblitzen zu Xotox, Trial, P.A.L, Sonar, Spetsnatz und Winterkälte ordentlich tanzen. Krönenden Abschluss des ersten Tages bildeten Feindflug, die ihren Anhängern so richtig einheizten, ehe sie hinaus in die frühe Nacht entlassen wurden und dort noch einen Großteil des Headliners Front 242 auf der Mainstage mitbekommen konnten.

Anschließend zerstreute sich die Menge allmählich, schlenderte noch ein wenig über das Gelände und fand sich in Kürze zur Aftershow-Party mit namhaften DJs in der Theaterstage wieder zusammen. Um 4 Uhr morgens war die Party dann schließlich vorüber und die Besucher nutzten die Chance, noch ein wenig zu schlafen, ehe es am Sonntag ab 13 Uhr wieder mit Konzerten weiterging.

Den zweiten Tag eröffneten Portion Control auf der Mainstage und machten dann Platz für Saltatio Mortis, die zu mittelalterlichen Klängen über die Bühne tobten und die verstreute Menge rasch anzogen und zu Begeisterungsstürmen hinrissen. Bei Heimataerde war die Menge dann nicht mehr zu halten. Mit Videoprojektionen, Standartenträgern, Schwertkämpfen und einem Flöte spielenden Knappen boten Ash und die Jungs ein fulminantes Bühnenspektakel. Ash spielte die Texte seiner Songs dramatisch nach, wurde zum Vampir, trank Blut, brach zusammen, und nicht wenigen fiel die Entscheidung zwischen ausgelassenem Tanzen und gebanntem Zuschauen schwer. Der grandiosen Stimmung konnte noch nicht einmal der plötzliche heftige Regenschauer einen Abbruch tun, vielmehr drängten sich etliche Fans einfach enger unter den Schirmen zusammen, während andere sich freuten, im strömenden Regen endlich ausreichend Platz zum Tanzen zu haben.

Unterdessen hatten auch in der Theaterstage die Konzerte begonnen. Das Katzenjammer Kabarett machte den Auftakt und bereitete seinem Namen alle Ehre. Im schönsten kabarettistischen Stil, mit Hüten und Kostümen, lieferte die Formation eine tolle Show. Im Anschluss folgte Emilie Autumn, die bereits so begehrt war, dass die Leute vor der Halle Schlange stehen mussten. Auch hier gab es wie zu erwarten stand nicht nur gute Musik, sondern auch eine extravagante Show, die Mädchen entledigten sich Stück für Stück ihrer Röcke, um schließlich im typischen Emilie-Stil über die Bühne zu schweben. Während des Umbaus leerte die Halle sich dann drastisch, um Platz für die Fans der nachfolgenden Formation Fetisch:MENSCH zu machen, die sich auch zahlreich einfanden. Mit einiger Verspätung aufgrund technischer Probleme konnten die Jungs dann auch endlich mit ihrem Vortrag beginnen und rissen ihre Anhänger bereits be
im ersten Song völlig mit. Hingerissen und gerührt starrte die Menge zur Bühne und ließ sich von den anspruchsvollen Texten und der musikalischen Umsetzung entführen. Zwischendrin wieder mit technischen Schwierigkeiten kämpfend, was die Fans in den unerwarteten Genuss einer Rezitation von „Lichtprinzessin“ ohne jegliche musikalische Begleitung brachte, eilten Fetisch:MENSCH durch ihr Set und schafften es trotz des verspäteten Beginns, fast alle Tracks zu spielen, woraufhin sie auch prompt von den Umbauhelfern von der Bühne gejagt wurden. Down Below folgten mit eher ruhigen, gefühlvollen Rockballaden und wurden von Untoten abgelöst. Die zierliche Greta schwebte im weißen Gewand über die Bühne und überzeugte auch live absolut durch ihre mal tiefe, opernhafte, dann wieder mädchenhaft hohe, verspielte Stimme und erhielt für ihre Show nicht nur wohlverdienten Applaus, sondern auch eine Rose und sogar einen Herrenslip. Zeromancer rissen die Menge zu Begeisterungsstürmen hin und das Publikum konnte dort zu treibenden Rhythmen die Energie loswerden, die sie bei Untoten noch zurückgehalten hatten. Und zu guter Letzt konnten die Fans dann einen der wenigen Auftritte der Dreadful Shadows bewundern und sich verzaubern lassen.

Draußen konnten derweil auch Krypteria von der guten Stimmung profitieren und Mesh zogen mit ihrem Elektro-Pop viele Fans an. Ein krasser Stilwechsel erfolgte dann mit Samsas Traum, Alex Kaschte tobte mit wehenden Haaren über die Bühne und wusste seine Fans mit krachenden Stücken, Balladen und Sprüchen in den Bann zu ziehen. Auch Frontline Assembly konnten begeistern, und Subway To Sally mit ihrem Mittelalter-Rock heizten den Fans wieder richtig ein und brachten die Menge zum Kochen. Als dann die Dämmerung bereits hereinbrach, verzauberten Apoptygma Berzerk das Publikum mit Lightshow und elektronischer Musik, bei der sich die, die noch nicht erschöpft waren, noch ein letztes mal austoben konnten.

Damit ging dann auch schon ein wundervolles Festival zu Ende. Ein Weilchen noch konnte man übers Gelände schlendern, doch schon bald wurde mit dem Abbau begonnen, die Stände schlossen ihre Pforten und die Besucher wurden freundlich, aber bestimmt, vor die Tore gewiesen.

Autor: Karin J. (Lyramada)

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